Wir mögen’s unverpackt

Eigentlich mögen wir ja Verpackungen: Wenn es dicke hochwertige Papiertüten sind, am besten noch ausgelegt mit feinem Seidenpapier. Aber auf knisternde Plastiktüten und den Verpackungsmüll aus dem Supermarkt könnten wir gut und gerne verzichten. Das dachten sich auch die beiden Berlinerinnen Sara Wolf und Milena Glimbovski und eröffneten letzten Samstag den ersten Supermarkt ohne Verpackungen.

Das mussten wir uns natürlich anschauen und haben “Original Unverpackt” heute in Kreuzberg besucht. Unser erster Eindruck: Wow, ist hier viel los. Das ist sicherlich auch dem Medienrummel der letzten Tage geschuldet.

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Der zweite Blick zeigte, dass Original Unverpackt eher ein schöner kleiner Tante Emma Laden ist als ein gewöhnlicher Supermarkt: blau-weiß gekachelte Wände, Holzkisten gefüllt mit Obst und Gemüse und durchsichtige Plastikspender die viele verschiedene Nudelsorten, Beeren und Nüsse präsentieren.

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Für Spontan-Besucher gibt es Dosen, Papiertüten und wie kleine Wäschesäcke aussehende Beutel für Brot und Gemüse zu kaufen, alle anderen bringen ihre wiederverschließbaren Plastikschüsseln und -boxen mit. Und das sind immerhin 80 Prozent aller Käufer, wie mir ein Mitarbeiter verrät.

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Sara erzählt mir, wie viel Unterstützung sie für ihr Projekt erhalten haben. “Über die Crowdfunding-Plattform Startnext haben wir das Startkapital für unser Geschäft gesammelt. Jetzt haben wir einige Produkte nach unseren Unterstützern benannt.” So wurde aus der Hass zum Beispiel die Haas-Avocado.

Wir sind begeistert und probieren es gleich aus: mitgebracht haben wir zwei Plastik-Gefäße, die wir bei Modulor gekauft haben.

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Zunächst wird der Behälter abgewogen, damit das Start-Gewicht bekannt ist und am Ende ganz genau feststeht, wie viel Gramm der unverpackten Leckereien wir kaufen möchten.

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Er bekommt einen Aufkleber, der mehrere Wäschen überstehen soll.

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Wir brauchen noch was fürs Abendbrot und denken, dass unserer kleinen Tochter die bunten Spaghetti gut gefallen würden. Leider passen sie aber nicht in unsere Dose.

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Also entscheiden wir uns für schwäbische Spätzle. Sie werden nun gewogen und wir bekommen sie, obwohl sie aus einer echt schwäbischen Spätzle-Manufaktur kommen, fast zum Supermarkt-Preis. Denn: 20 Prozent fallen weg durch die eingesparte Verpackung.

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Zu Hause angekommen kochen wir die Nudeln. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Jetzt fehlt uns die Verpackung das erste Mal, denn wir würden gern die empfohlene Kochzeit kennen. Aber mit häufigem Probieren kommen wir dann auch ans Ziel.

Unser Fazit:
Die Nachteile von unverpackten Lebensmitteln sind für uns vor allem, dass es etwas umständlicher ist, Dosen mitzunehmen (z. B. zur Arbeit) als die Produkte direkt aus dem Regal zu nehmen. Wer zu Original Unverpackt geht, erwartet also keine Schnelligkeit und Produktvielfalt, sondern ein authentisches und bewusstes Einkaufserlebnis. Außerdem besteht das Problem, dass man verschiedene Verpackungen für die Lebensmittel benötigt (siehe Spaghetti). Und uns hat beim Spätzlekochen tatsächlich auch die Angabe über die Kochzeit auf der Verpackung gefehlt. Hier könnte man vorab im Laden nachfragen, was empfohlen wird.

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Sara Wolf spricht mit Bejealous

Aber von diesen Luxus-Problemen abgesehen sind wir von Original Unverpackt begeistert, denn die fantastische Idee, einfach mal den Verpackungsmüll wegzulassen, lässt uns kreativ werden. Es gibt so viele Bereiche, in denen Verpackung eingespart werden kann. Zum Beispiel haben wir beschlossen, beim nächsten Marktbesuch auf Tüten zu verzichten und das Gemüse und Obst einfach durcheinander in unseren Beutel zu schmeißen – am Wochenende hat man schließlich genug Zeit, alles wieder zu sortieren. Ach ja, den passenden Jutebeutel mit stylishem Logo fanden wir auch bei Original Unverpackt.

Neugierig geworden? Ihr findet Original Unverpackt in der Wiener Straße 16 in Berlin Kreuzberg.

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